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Organisationsentwicklung nach Baukastenprinzip - Wie profitierst du von Soziokratie 3.0


Ein Gastbeitrag von Lena Maucher


Agile, Scrum, Lean Management, Kanban und Co. sind seit geraumer Zeit in aller Munde. Im Rahmen von aufwändigen Reorganisationen und groß angelegten Change-Projekten werden Unternehmen zukunftsfähig gemacht. Was aber, wenn es auch anders geht?




Was ist Soziokratie 3.0?

Anders als die meisten Konzepte gibt Soziokratie 3.0 - kurz "S3" - keinen expliziten Fahrplan vor. Vielmehr handelt es sich um eine Sammlung bewährter Praktiken, die sich in Organisationen als hilfreich erwiesen haben, um Produktivität, Zusammenarbeit und Zufriedenheit zu verbessern. Agile- und Lean-Thinking-Methoden sind dabei Teil des Repertoires.


S3 verfolgt einen organischen, iterativen Ansatz für Veränderung:

Menschen und Organisationen werden dort abgeholt, wo sie gerade stehen. Entwicklung darf schrittweise erfolgen und wirkt transformativ auf die einzelnen Mitarbeitenden und auf die gesamte Organisation. Begonnen wird, wo der Bedarf am größten ist. Die Integration neuer Methoden erfolgt spielerisch, als eine Art Experiment. Es geht nicht darum, das Handwerk von Beginn an perfekt ausüben zu können - für den Anfang genügt der Ansatz "good for now, save enough to try" - die notwendigen Fähigkeiten werden unterwegs entwickelt.


S3 folgt der Auffassung, dass das Zurückhalten von Einwänden die Ziele eines Teams oder der gesamten Organisation gefährden kann. Für Entscheidungen werden deshalb die Prinzipien Gleichstellung und Konsent verfolgt: Alle Betroffenen werden gleichermaßen mit Informationen versorgt und in den Entscheidungsprozess eingebunden. Transparenz darf nur im Ausnahmefall, beispielsweise aus Gründen der Vertraulichkeit, eingeschränkt werden.


Konsens? Nein, Konsent!

Was sprachlich einen minimalen Unterschied macht, bedeutet in der Praxis eine komplett andere Herangehensweise, um Entscheidungen zu treffen.

Während Konsens-Entscheidungen darauf basieren, dass alle dafür sind, wird eine

Entscheidung im Konsent getroffen, wenn nichts mehr dagegen spricht.


Die Auswirkungen dieser Umkehr sind nicht zu unterschätzen: Um Konsens zu erreichen, müssen sich manchmal alle Betroffenen auf einen Kompromiss einigen. Liegt ein Veto vor, kann keine Entscheidung getroffen werden. Dies kann zu gruppendynamisch fragwürdigen Versuchen führen, das Veto durch Überzeugen der widersprechenden Person aufzulösen. Es entsteht eine Ungleichheit in der Gruppe.

Bei Konsent hingegen wird ein Vorschlag vorurteilsfrei als solcher akzeptiert. Konsent liegt so lange vor, bis jemand der Betroffenen einen schwerwiegenden Einwand gegen den zu entscheidenden Vorschlag argumentativ erhebt. Wird ein Einwand erhoben, so versuchen die Betroffenen gemeinsam das darin enthaltene Wissen in den Entscheidungsprozess zu integrieren. Das geschieht, indem die Lösung variiert wird oder möglicherweise komplett neue Lösungen gefunden werden, bis keine schwerwiegenden Einwände mehr vorliegen.


Warum lohnt sich die Auseinandersetzung mit Soziokratie 3.0?

S3 bietet Lösungsvorschläge für Organisationen im Umgang mit zunehmender Komplexität und einer sich schnell ändernden Umwelt an. Die wesentlichen Vorteile von S3 sind:

  • Unterstützung für Mitarbeitende beim Umgang mit sich schnell ändernden Bedingungen: Die zur Verfügung gestellten Methoden haben sich in der Praxis bewährt, um einen positiven Einfluss auf das Engagement, die Produktivität, sowie die Zufriedenheit der Mitarbeitenden zu haben. Die benötigten Informationen werden kostenlos zur Verfügung gestellt und regelmäßig aktualisiert.


  • Maximale Nutzung von vorhandenem Wissen bei Minimierung von Fehlentscheidungen: Alle Betroffenen übernehmen gleichermaßen Verantwortung dafür, dass die für den Unternehmenserfolg wichtigen Informationen in den Entscheidungsprozess mit einfließen. Wird ein Einwand erhoben, so wird das darin enthaltene Wissen zur Optimierung des eingebrachten Vorschlages oder zur Entwicklung einer besseren Alternativlösung genutzt.


  • Schnelle Entscheidungsfindung durch Konsent und agiles Mindset: Entscheidungen werden so gut getroffen, wie es im Moment der Entscheidung möglich ist. Auch hier gilt das Prinzip "good for now, safe enough to try". Solange kein schwerwiegender Einwand erhoben wird, gilt ein Vorschlag per Konsent entschieden. Getroffene Entscheidungen werden durch fest integrierte Feedbackprozesse und empirisches Testen kontinuierlich überprüft und gegebenenfalls nachträglich angepasst.


  • Bedarfsorientierte und kontinuierliche Organisationsentwicklung: Begonnen wird, wo der Bedarf am größten ist. Die notwendigen Fähigkeiten werden "unterwegs" erlernt. Das Tempo wird durch die Betroffenen bestimmt.





Für wen eignet sich Soziokratie 3.0?

S3 eignet sich für die Weiterentwicklung von Organisationen beliebiger Größe, vom kleinen Start Up bis hin zur großen internationalen Netzwerkorganisation sowie organisationsübergreifenden Kollaborationen. Kurzum: Für alle, die auf der Suche nach Praktiken und Strukturen sind, die dabei helfen, Herausforderungen in Chancen für Innovation, Lernen und Entwicklung zu verwandeln.


 

Überlegst du, ob S3 oder andere selbstorganisierte und partizipative Organisationsformen auch in deinem Unternehmen umsetzbar ist? Oder hast du dich bereits für die Umsetzung entschieden und suchst noch nach Unterstützung für die erfolgreiche Implementierung?

Kontaktiere uns gerne für ein unverbindliches Gespräch, damit wir gemeinsam herausfinden können, wie wir dich optimal bei deinem Vorhaben unterstützen können!


Psst! Wir bei Edl Consulting wenden S3 selbst an.

 

Quellen:

https://sociocracy30.org/

https://s3lf.org/